Bericht 15. November 2010


Am „Fahrtag“ geht´s richtig rund

 

AUSSTELLUNG Die Lichtenfelser Eisenbahnfreunde bauen eigentlich das ganze Jahr an ihren Modell-Anlagen im Stellwerk herum. Ein paar Mal im Jahr wird vor Publikum getestet, ob die Loks auch laufen.

 

Lichtenfels – So manches alte Bahnwärterhäuschen steht wegen des zunehmend automatisierten Betriebs mittlerweile leer oder wurde bereits abgerissen. Doch im alten Stellwerk 5 in der Mühlgasse haben die Eisenbahnfreunde Lichtenfels ihr Vereinsheim eingerichtet, in dem sie am Sonntag zum  „Fahrtag“ eingeladen hatten.

An den Fahrtagen erhalten Besucher die Gelegenheit, das zu besichtigen, woran die insgesamt 21 Mitglieder unzählige Stunden ihrer Freizeit gearbeitet haben: Modelleisenbahn-Landschaften. In den für einen Modelleisenbahnverein eher kleinen Räumen finden sich Szenarien wie ein Stahlbahnhof, eine Winterlandschaft und eine originalgetreue Nachbildung der Schweizer Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS).

 

Vor dem Abriss bewahrt

Werner Keidel (63) ist der Vorsitzende des 1983 gegründeten Vereins. Er war dabei als man den Arbeitern quasi in letzter Sekunde „die Werkzeuge aus den Händen riss“, um das alte Stellwerk vor dem Abriss zu bewahren.

Die Funktion der Fahrtage erklärte er auf überraschende Weise: “Weil wir immerzu an unseren Anlagen herumbauen, kommen wir fast nicht zum Fahren. Selbst kleine Szenen kosten zwei bis drei Tage Arbeit. An den Fahrtagen wollen wir unser Werk zeigen, aber auch testen. Vieles ist neu, oder es ist eine andere Lok im Einsatz, da kann immer mal was schief gehen. „ So ist es auch nicht verwunderlich, dass die beiden jugendlichen „Bahnwärter“ Max Rose (16) aus Marktzeuln und Tim Renner (17) aus Weidhausen im Gespräch immer mit mindestens einem Auge über die Strecke wachen.

Unter den 21 Mitgliedern finden sich fünf Jugendliche, die eine eigene Jugendgruppe bilden. „Uns fehlt komischerweise die Mittelschicht“, meint Max und spielt damit nicht auf die Gehalts-, sondern auf die Altersstruktur an: Zwischen 18 und 50 Jahren ist kaum eins der Mitglieder.

Das Highlight der Ausstellung, die BLS-Bahn, haben Alt und Jung in vier Jahren Bauzeit aber zusammen toll hinbekommen. „Auf Grund meiner Größe wurde ich da meistens in die ganz tiefen Winkel der „Bergmassive“ geschickt, um etwas in Ordnung zu bringen. Da lassen die alten Herren gerne mal die Jugend ran“, grinst der hochgewachsene Tim. Frauen spielen in  dem Verein übrigens auch eine wichtige Rolle. Zwar gab es in der gesamten Geschichte des Vereins nur ein offizielles weibliches Mitglied, jedoch helfen Ehefrauen und Freundinnen tatkräftig mit: So hat Ulla Keidel, die Frau des Vorsitzenden, viele der Hintergrundwände gestaltet, die den Landschaften erst die nötige Tiefe geben. Und Hannelore Michling wurde gewissermaßen zur Figurenmalerin  „ernannt“: „Irgendwann sagte einer, da müssten noch ein paar Figuren angemalt werden. Alle sahen mich an, und plötzlich hatte ich den Job. Mittlerweile hab ich so um die 3000 Figuren angemalt.“

Wer es gestern verpasst hat , den kleinen Welten der Künstler aus dem Stellwerk einen Besuch abzustatten, hat in diesem Jahr noch eine zweite Chance: Am kommenden Sonntag (21.11.) findet ein weiterer Fahrtag statt, ebenso am 2. Januar. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene vier Euro und für Kinder ab sechs Jahren zwei Euro. Weitere Informationen gibt es unter www.eisenbahnfreundelichtenfels.de.tl.

 

Quelle: Fränkischer Tag vom Montag, 15. November 2010, von Sebastian Glas

Neuigkeiten
 
Aktualisiert 11.04.2017
Termine Fahrtage 2017/18

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Galerie
Stellwerk in Farbe
Unterführung Lichtenfels 1935
Bahnhofsvorplatz Lichtenfels
Kiesverladung Staffelstein 1964
Bilder aus der Vergangenheit
 
Galerie:
Bilder vom Bau der Unterführung 1935
Bahnhofsvorplatz
um 1900 und später
Kiesverladung STE 1964
 
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